Property and Ownership I - Über den Gebrauchs- und Tauschwert des Wohnens

Performance Kunst

Seminar A3 + M1/2 + SD

Prof. Dr. Tatjana Schneider, Dipl. Ing. Niloufar Tajeri

 

"Eigentum ist Diebstahl"
Pierre Joseph Proudhon, 1840

"In Wahrheit ist die Wohnkrise eine Bodenkrise."
Hanno Rauterberg, 2018

"To give up all existing and future urban land to developers and landlords is to surrender all of society's elementary sheltering needs to one privileged class of speculators."
Gabriela Rendón und Miguel Robles-Durán, 2017

 

Im Architekturdiskurs ist seit einiger Zeit das Thema "Wohnen" wieder omnipräsent - die Dringlichkeit zu handeln ist Konsens und es werden neue Wohnformen und -typen als vermeintliche Antworten zur neuen Wohnungsfrage zur Disposition gestellt. Doch jene unsichtbaren Kriterien, die Form, räumliche Organisation und Materialität des Wohnens tatsächlich beeinflussen, gar bedingen, werden nur marginal thematisiert: Stadt- und Wohnungspolitik, Boden- und Bauökonomien, Eigentumsform, Finanzierungsmodell, Trägerschaft, Verwaltung und Partizipation/Koproduktion. Im Seminar wird es darum gehen, diese Kriterien sichtbar zu machen, anhand der Architektur von Wohngebäuden zu lesen, sowie zu erörtern, wie Architekt_innen agieren können.

Ob in Berlin, Zürich oder London: Fragen nach Eigentumsverhältnissen, Grundbesitz und Grundeigentum sind wieder vermehrt laut geworden. Gerade in Bezug auf das Wohnen und dessen Zugänglichkeiten wird die Bodenfrage in breiten öffentlichen Kreisen debattiert und vielerorts neu verhandelt. Denn Wohnraum und dessen Bereitstellung ist gleichzeitig politisches, soziales wie marktwirtschaftliches Instrument, Kapitalanlage mit einem Tauschwert genauso wie gelebte Realität mit einem Gebrauchswert. Gerade der letzte Gegenstand allerdings - der mit der Nutzung von Wohnraum zu tun hat - steht in phantastischem Kontrast zum Begehren des Immobilienmarkts und der Produktion von Wohnungen als Wertobjekte für oft multinationale Konzerne und deren Aktionäre.

Aus diesen und vielen anderen Gründen entwickelten sich schon in der Zwischenkriegszeit alternative Wohnmodelle und Trägerschaften - die Genossenschaftsbewegung und die Idee der Wohngemeinnützigkeit entstand in dieser Zeit -, die Wohnpolitik des sozialen Wohnungsbaus der Nachkriegszeit und auch die Proteste und Hausbesetzungen der 1970er und 1980er Jahre, die jeweils revolutionäre, wegweisende architektonische Ideen für das Wohnen hervorbrachten. Nun entstehen auf Seiten der Zivilgesellschaft wieder Initiativen und Protestbewegungen, die sich der aktuellen Situation stellen und alternative Wohnmodelle und Finanzierungsmechanismen entwickeln...

Das Seminar behandelt dieses Spannungsfeld. Durch text-basiertes Arbeiten soll über die ersten Wochen einerseits eine theoretische Grundlage für ein Verstehen von Eigentum und der Monopolisierung von Zivil- und Gemeingütern - wie zum Beispiel Grund und Boden - geschaffen werden. Andererseits wollen wir anhand von konkreten Fallstudien in Berlin die Zusammenhänge zwischen wohnpolitischen Entwicklungen, stadtpolitischen Hebeln und zivilgesellschaftlichen Hoffnungen, Forderungen und Ideen sichtbarmachen.

 

Termine:
Einführung am 22.10. um 15:00 bis 16:30 Uhr (Seminarraum gtas)
Tour durch Braunschweig am 29.10., 12:30 bis 17:00 Uhr
Input I am 5.11., 15:00 bis 16:30 Uhr (Seminarraum gtas)
Referate I am 19.11., 15:00 bis 18:30 Uhr (Seminarraum gtas)
Referate II am 26.11., 15:00 bis 18:30 Uhr (Seminarraum gtas)
Input II am 3.12., 15:00 bis 16:30 Uhr (Seminarraum gtas)
Workshop am 7.12. und 8.12. jeweils ganztägig

 

Voraussetzungen:
Abschluss des Moduls "Geschichte und Theorie 1" oder "Geschichte und Theorie 2".

Bereitschaft zur intensiven Lektüre, empirischen Forschung und Darstellung der Ergebnisse in Text und Grafik werden vorausgesetzt. Teilnahme an allen Terminen sowie dem Workshop in Berlin ist Voraussetzung zum Bestehen des Moduls. Das Seminar kann zur inhaltlichen Vorbereitung einer Masterthesis beitragen.

Das Department Architektur hat einen Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten erstellt. Der Inhalt dieses Leitfadens wird den Studierenden innerhalb der A3 Seminare vermittelt. Darüber hinaus bietet Das Informationskompetenz-Projekt der UB eine Blockveranstaltung mit dem Titel "Wissenschaftliches Arbeiten für Architektur-Studierende" an. Diese Veranstaltung ist integraler Bestandteil aller A3 Seminare des gtas und des Instituts für Baugeschichte. Der Workload entspricht einem Leistungspunkt (1 LP) innerhalb des A3 Moduls. Im Rahmen der Veranstaltung werden die Themenbereiche, Literaturrecherche, Zitieren und Bibliografieren in Präsenzterminen und Selbststudium bearbeitet. Leistung: Bearbeitung von vier Aufgaben in Form von Übungsblättern und einer schriftlichen Ausarbeitung. Organisation über StudIP - vor Beginn dort eintragen. Die erste Sitzung findet am 26.10.2018, die zweite am 30.11.2018 statt. Leitung: Dr. Simone Kibler, Projekt Informationskompetenz, UB