Die Braunschweiger Schule

Moderne und Traditionen in der Architektur der ''Braunschweiger Schule'' (1946-1973)

Teilprojekt im Rahmen der Nachkriegsmoderne-Forschergruppe mit der TU Berlin
Prof. Dr. Karin Wilhelm, Anne Schmedding M.A.

Als die beiden Pole, an denen sich die Architekturentwicklung nach 1945 in der BRD orientiert hat, sind die an den USA ausgerichtete klassische Moderne des "International Style" einerseits und die Suche nach spezifisch deutschen oder regional definierten Traditionen andererseits zu bezeichnen. Dieses Verhältnis von internationaler Moderne und nationaler/regionaler Tradition hat die Architektur, die sich im Umfeld der so genannten "Braunschweiger Schule" der Nachkriegszeit (Johannes Göderitz, Walter Henn, Friedrich Wilhelm Kraemer, Manfred Lehmbruck, Dieter Oesterlen, Zdenko Strizic) entwickelte, auf besondere Weise geprägt. Im Spannungsfeld zwischen Modernisierung und Bestandswahrung stehend, entfalteten die an der TH Braunschweig lehrenden Architekten unterschiedliche Synthesekonzepte, die jedoch im Duktus der Angleichung zwischen Neu- und Altbestand vergleichbar sind und die in dieser Eigenart die typischen räumlichen Identifikationsbilder des bundesdeutschen Wiederaufbaus geliefert haben.
Eine zentrale Frage des Forschungsprojektes ist, auf welche Traditionslinien und Vorbilder bei dem Umgang mit dem Altbaubestand zurückgegriffen und wie der Anspruch eines "zeitgemäßen Bauens" (Dieter Oesterlen) darin verarbeitet wurde. Dieser Komplex soll im Rahmen der umfangreich vorliegenden, jedoch unaufgearbeiteten Vorlesungsmitschriften nachvollzogen und an repräsentativen Beispielen auf konzeptionelle Strategien des Entwerfens überprüft werden. In diesem Kontext geht es sowohl um die Klassifizierung der im Wiederaufbau historischer Bauten eingebetteten "abendländischen" Ideengeschichte wie auch um eine am Bestand aufzubereitende Motivgeschichte.

Im Juli 2008 gründeten wir eine "Sammlung für Architektur und Ingenieurbau der TU Braunschweig", die wertvolles Archivmaterial (Pläne, Zeichnungen, Fotografien, Lehrmaterial) von in Braunschweig ausgebildeten und tätigen Architekten sichert und für die wissenschaftliche Bearbeitung zugänglich macht. Hierbei steht zunächst die Zeit zwischen 1945 und etwa 1970 im Vordergrund, der Zeit des größten Einflusses der "Braunschweiger Schule" auf das architektonische Schaffen der Bundesrepublik.