Edgar Salin und das Israelprojekt der List-Gesellschaft: Städtebau(theorie) und Raumplanung der 50er und 60er Jahre als 'Nation Building'

Forschungsprojekt der Technischen Universität Braunschweig / Fachgebiet Geschichte + Theorie der Architektur und Stadt (Prof. Dr. Karin Wilhelm, Dipl. Ing. Joachim Trezib)

Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Die Untersuchung beleuchtet einen wesentlichen Abschnitt der Landesentwicklungs- und Strukturplanung in Israel und der BRD aus der Gegenüberstellung und jeweiligen Rezeption städtebaulicher, kulturpolitischer und planungswissenschaftlicher Diskurse nach 1948. In der BRD wie auch in Israel waren im Zuge der Staatsneugründung bzw. dem Wiederaufbau als demokratisch verfasster Staat, die Leitbilder der Raumplanung und Architektur neu auszurichten und institutionell zu etablieren. Obgleich man von historisch unterschiedlichen, kaum vergleichbaren Positionen auszugehen schien, ähnelten sich in gewisser Weise sowohl die Ausgangslage als auch die Entwicklungsziele in beiden Ländern. An dieser Nahtstelle setzt das "Israel-Forschungsprojekt der List-Gesellschaft (IESRP, Israel Economic and Sociological Research Project)" ein, das im Jahre 1958 durch Edgar Salin (1892-1974) initiiert wurde. Es steht im Mittelpunkt dieser Studie. Seiner interdisziplinär angelegten Perspektive wegen stellt dieses Projekt in exemplarischer Weise den Umfang des bundesdeutschen und israelischen Planungsdiskurses der 50er und 60er Jahre vor und beleuchtet auf dieser Folie Potentiale der politischen und kulturellen Annäherung zwischen Israel und der BRD. Ziel dieser Studie ist es, die vielschichtige Gemengelage dieses Diskurses vor dem Hintergrund einer Rekonstruktion des durch Salin konzipierten Projektes zu beschreiben und somit einen wichtigen Abschnitt der deutsch-israelischen Rezeptionsgeschichte nachzuzeichnen.

INTERNATIONALES SYMPOSIUM

Neue Städte für einen neuen Staat
Edgar Salin und das "Israel Projekt" der List Gesellschaft

Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund, Dezember 2011

Das von dem Baseler Nationalökonomen Edgar Salin gegen Ende der 1950er Jahre initiierte "Israelprojekt der List Gesellschaft" stellt mit den fünfzehn Einzelstudien zur Wirtschafts- und Finanzpolitik, zur Infrastrukturentwicklung, zum Siedlungswesen und Städtebau Israels eines der ambitioniertesten ausländischen Forschungsvorhaben zur Entwicklung des Landes nach der Staatsgründung von 1948 dar. Mit diesem Umfang und der thematischen Komplexität ging das Projekt über den Anspruch empirischer Datenerfassungen weit hinaus, versuchte es doch, das sozialpolitische Panorama einer Einwanderungsgesellschaft zu zeichnen, das in der Rückschau als zentrale Quelle der zeithistorischen Debatten zu Fragen neustaatlicher Identitätsbildungen in Israel und der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland betrachtet werden darf.

Vom "Israelprojekt" ausgehend, soll die Konferenz einige dieser ideengeschichtlichen Verknüpfungen beleuchten, um das Projekt der Identitätskonstruktion im Prozeß des nation building beispielhaft beschreiben zu können. Sie setzt sich zum Ziel, aus dem Siedlungsprogramm und dem programmatischen Denkraum Salins auch eine genauere Kenntnis jener Theoriemodelle zu erhalten, die in den Stadt- und Regionalplanungskonferenzen der 1960er Jahre zwischen israelischen und bundesdeutschen Planern und Politikern debattiert wurden. Die 1967 veranstaltete "Polis und Regio"-Tagung ist ein Beispiel dieses Austausches, die zugleich Aufschlüsse über die deutsch-israelischen Wissenschafts- und Wirtschaftsbeziehungen in den Jahren der "Wiedergutmachung" ermöglichen.

Die Konferenz wird als binationale Veranstaltung von deutschen und israelischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern stattfinden.Sie wird vom Fachgebiet GTAS der TU Braunschweig in Zusammenarbeit mit dem Moses-Mendelssohn-Zentrum für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam veranstaltet. Die Tagung bezieht sich inhaltlich auf das aktuell am Fachgebiet angesiedelte, durch die DFG geförderte Forschungsprojekt gleichen Namens. 

Das Programm sowie allgemeine Informationen zur Tagung sind unter http://salin-symposium.org/ einzusehen.