„Für alle“, aber nicht für jeden?
Nur wenige Minuten von der Innenstadt entfernt liegt der Inselwallpark als grüne Fläche entlang der Oker. Wiesen, alte Bäume, ein Spielplatz und mehrere Sitzbänke machen ihn zu einem beliebten Aufenthaltsort. Wer eine Pause braucht, findet hier Platz. Tagsüber wird spazieren gegangen, gespielt, gejoggt oder einfach nur gesessen. Die Wege sind frei zugänglich, zentrale Bereiche gut einsehbar. Alles wirkt offen, selbstverständlich nutzbar. Ein Ort, der „für alle“ da sein soll.
Mit Einbruch der Dunkelheit verändert sich jedoch die Atmosphäre. Beleuchtet ist im Wesentlichen ein einzelner, abschüssiger Weg. Große Teile des Parks bleiben im Schatten. Wer abends hier unterwegs ist, muss sich darauf einstellen, dass die meisten Jogger*innen und einige Passant*innen eine Stirnlampe tragen. Sicherheit entsteht nicht selbstverständlich durch den Raum, sondern durch das Ergreifen eigener Maßnahmen.
Auch die Wegführung kann kleine Bedingungen setzen: eine Brücke mit merklicher Steigung, schmale Durchgänge, stellenweise unebener Boden. Für viele kaum der Rede wert. Für andere – etwa mit Kinderwagen, Rollstuhl oder eingeschränkter Mobilität – spürbar. Zugänglichkeit zeigt sich im Alltag, nicht im Versprechen.
Selbst ein Detail wie die öffentliche Toilette fällt auf: Für Männer kostenfrei, für Frauen gebührenpflichtig. 20 Cent Unterschied. Kein großes Hindernis, aber ein Hinweis darauf, dass Gleichbehandlung nicht immer selbstverständlich geregelt ist. Der Inselwallpark schließt niemanden aktiv aus. Er verbietet nichts. Er lädt ein. Und doch hängt seine Nutzbarkeit von Tageszeit, Körper, Ausstattung und Sicherheitsgefühl ab.
„Für alle“ – vielleicht. Aber nicht für jeden auf dieselbe Weise.