Nähe auf Distanz
Die Ausarbeitung „Nähe auf Distanz“ erkundet die Ambivalenz zwischen räumlicher Nähe und emotionaler Distanz am Beispiel des Stadtteils Kralenriede in Braunschweig.
Inspiriert von Ursula K. Le Guins Ansatz des gemeinschaftlichen Erzählens entsteht eine Karte als offener, kollektiver Raum für Geschichten. Sie folgt der Idee der Tragetaschentheorie: Wissen und Erinnerungen werden nicht linear vermittelt, sondern vielfältig gesammelt.
Der Bunker, das Welcome House und die Landesaufnahmebehörde (LAB) sind prägnante Orte, die eine Spannung zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit im Alltag aufzeigen. Obwohl sie zentral liegen, bleiben sie vielen Anwohnenden fremd oder bedeutungslos. Die Ausarbeitung thematisiert diese Leerräume und macht vergessene sowie gegenwärtige Geschichten zugänglich.
Unsere Karte ist bewusst interaktiv gestaltet – sie bietet keinen abgeschlossenen Überblick, sondern lädt zur aktiven Mitgestaltung ein. Wir verstehen sie als lebendiges Netzwerk, das durch jede neue Geschichte wächst und sich verändert. Sie schafft Raum für Teilhabe und Resonanz, ohne eine feste Ordnung zu behaupten. Die Karte dokumentiert nicht nur, sie initiiert Dialog und öffnet Türen für neue Perspektiven.
So wird „Nähe auf Distanz“ zu einem dynamischen Prozess der Erzählung, in dem jede individuelle Erfahrung ein Teil eines größeren narrativen Gewebes wird – offen, vielschichtig und fortlaufend im Wandel.
Jan Jaromir Brinkhus, Carlotta Clément, Lars Stecher