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Studying

Stegreif #05 - 30 Stunden #Landtagswahlen

Stegreif
Sommer '22
Daniel Lux, Michelle Korell, Hannah Rotzinger, Eicke Janas und Jennifer Mayer

"Am 9. Oktober finden in Niedersachsen Landtagswahlen statt. Der Ausgang der Wahlen wird auch darüber mitentscheiden, unter welchen politischen Rahmenbedingungen die drängenden Fragen angegangen werden, mit denen sich die Architektur als Arbeitsfeld konfrontiert sieht. Die diesem Text vorangestellten Zitate beschreiben Aspekte einer in diesem Kontext geführten zentralen öffentlichen Debatte.

Einerseits wird unter dem Begriff der neuen Wohnungsfrage auf die Folgen einer verfehlten Wohnungspolitik hingewiesen. Um Ausgleich zu schaffen und einen sozialverträglichen Zugang zur Wohnraumversorgung zu gewährleisten, hat sich die jetzige Bundesregierung das Ziel gesetzt, 400.000 neue Wohnungen pro Jahr bauen zu lassen. Die Kompetenzen zur sozialen Wohnraumförderung liegen hierbei bei den Ländern.

Andererseits erfordert der Klimanotstand eine grundlegende Neuausrichtung des Bausektors. Aufgrund der Tatsache, dass Konstruktion und Nutzung von Bauwerken für große Teile der Treibhausgasemissionen, des Energieverbrauchs, des Abfallaufkommens und der Aufwendung von nicht-erneuerbaren Rohstoffen verantwortlich ist, wird von Umweltverbänden, Initiativen und politischen Gruppen die gegenwärtige Bautätigkeit hinterfragt und kritisiert.

Der Stegreif #Landtagswahlen forderte Studierende auf, sich 30 Stunden mit den Wahlprogrammen der antretenden Parteien, den lokalen und regionalen öffentlichen Debatten und Berichterstattungen sowie den gesellschaftlichen Forderungen auseinanderzusetzen."

Im Rahmen des Stegreifs wurde von den Studierenden zur Dokumentation ihrer Recherche Wanderkarten angefertigt. In kurzen Texten überlegten sie sich, wie sich die aus der Wanderkarte herauskommenden Fragenstellungen auf das Studium, in Form von Lehrveranstaltungen und Diskussionen, übertragen ließe.

Jennifer Mayer

Vorschlag einer Lehrveranstaltung

Ich selbst denke bei öffentlichen Debatten oder bei Wahlkampfübertragungen oft:

  • Wie ist es wohl Abgeordnete*r oder Kandidierende*r zu sein?
  • Wenn man alle Bürgerfragen möglichst kompetent und verständlich beantworten muss.
  • Wie überlegt man sich die Strategie für den Wahlkampf entsprechend der aktuellen Bedingungen und öffentlichen Forderungen?

Als Lehrveranstaltung stelle ich mir folgendes Konzept vor:

Mögliche Fragen, Überlegungen bzw. Themen innerhalb der Diskussionsrunde könnten sein:Können die Belange öffentlicher Unternehmen und privater Personen gleichermaßen und fair gelöst werden (z.B. Zuschüsse und Förderungen bei energetischer Sanierung)Gibt es einheitliche Lösungen für öffentliche Plätze wie auch private Grundstücke um das Mikroklima mit einfachen Maßnahmen zu verbessern und wie könnte eine verpflichtende Maßnahme aussehen?Mit welchen Methoden wird man der sozialen Verantwortungen gerecht? (z.B. Notfallunterkünfte für Wohnungslose)Wie kann man die realistische Durchsetzungsmöglichkeit einer gut durch dachten Idee bzw. Maßnahme vermitteln? (z.B. die Aktivierung eines Gebäuderessourcenausweises)

Rollenspiel im Workshop:

Innerhalb eines Rollenspiels, in der sich die Studierenden in unterschiedliche „Parteien“ einteilen (Politiker, Bürger, Initiativen), werden verschiedene Ansichten und Fragen diskutiert, wobei die jeweiligen Perspektiven eine Variation aus möglichen Maßnahmen herausfiltern.Im Anschluss werden die Ideenvorstellungen gemeinsam hinsichtlich ihrer Umsetzungsmöglichkeit in der Realität analysiert, wobei auch Lösungsvorschläge zu eventuellen Rollenkonflikten gemacht werden sollen. Der /die Workshopleiter*in sollte dabei eine neutrale Vermittlerposition einnehmen.In einer späteren Selbstreflexion können sich die Studierenden über die Herausforderungen von Politiker*innen Gedanken machen. Diese können aktiv in der Gruppe besprochen werden oder den Studierenden als Denkanstoß für künftige Auseinandersetzungen mit der Thematik dienen.

Eicke Janas

Einleitung

Für mich haben sich aus der Erstellung der Wanderkarte drei zentrale Punkte herauskristallisiert deren weitere Untersuchung ich im Rahmen des Studiums für wichtig erachte. Bei den entsprechendem Punkten handelt es sich um die Auseinandersetzungen mit politischen Instrumenten, wie der Wohngemeinnützigkeit, um den lokalen Bezug zur Region Braunschweig, sprich der Untersuchung der Situation vor Ort, sowie um den Transfer in die gebaute (?) entwerferische Praxis, also die eigenen noch kommenden Projekte. Nachfolgend möchte ich diese drei Punkte im Detail erläutern.

Theorie

Mit Blick auf die Auseinandersetzung mit den von Parteien und anderen Initiativen genannten politischen Instrumenten steht für mich das vertraut und bekannt machen mit den jeweiligen Werkzeugen im Fokus - Persönlich waren mir vor der Recherche Instrumente wie Erbbaurecht, Housing-First Projekte oder die Wohngemeinnützigkeit keine Begriffe – In der theoretischen Auseinandersetzung mit diesen und weiteren Praktiken zur Bauaktivität und Wohnungsfrage, insbesondere im Rahmen von Diskusionen in Kleingruppen, sehe ich großes Weiterbildungspotential. Bereits im Zuge der Stehgreifaufgabe ist es zu interessanten Diskusionen innerhalb des Zeichensaales gekommen.

Lokal

Als zweiten Punkt würde ich mich für eine regionale Untersuchung der Situation in Braunschweig einsetzten wollen, um die abstrakt theoretischen Erkenntnisse mit dem persönlichen Umfeld zu verknüpfen. Stadtspaziergänge könnten ein geeignetes Mittel hierfür darstellen, auf welchen neben der Suche nach Leerständen auch Beispiele für Bodenspekulation im Allgemeinen gesucht werden könnten. Ebenfalls könnten soziale Wohnbauprojekte besucht werden und im Dialog mit BewohnerInnen und der Bauherrenschaft positive sowie negative Aspekte der Projekte erörtert werden. Insbesondere würde mich hierbei
die aktuelle Problematik der Rohstoffpreisentwicklung interessieren und die daraus abzuleitenden Folgen zur Schaffung von neuen sozialen Wohnraum. Im Zuge dessen wäre auch eine geographische Auswertung von soz. Wohnungen in Braunschweig interessant. Gibt es lokale Häufungen oder Lücken an Wohnungen? Lässt sich hieraus eine soziale Segregation herleiten? Wo befindet sich unsere eigene Wohnung in diesem Gefüge?

Praxis

Abschließend wäre der Transfer der Erkenntnisse aus den vorausgegangen beiden Punkten in die eigene Entwurfspraxis im Studium für mich wichtig. Auf den Stadtspaziergängen mögen bereits potentielle Grundstücke zur Umnutzung, Aufstockung oder Nachverdichtung aufgefallen sein. In einem darauffolgenden Semester könnten hier Entwurfsprojekte entstehen, welche auf die Forderungen und Ideen von den ExpertInnen auf der Wanderkarte eingehen. Zum Beispiel könnten die Demontierbarkeit von Bauteilen mit Blick auf deren Nachnutzung oder eine flexible Zusammenschaltung von Wohnraum entwurfsprägenden Themen sein. Gerade die flexible Zuordnung von Wohnraum könnte auf eine variierende Anzahl an Personen pro Haushalt eingehen oder auf die Frage welche Nutzungen eine Wohnung zukünftig aufnehmen können muss, etwa eine verstärkte Nutzung des Home Offices.

Resumé

Zusammenfassend gesagt würde ich mir somit eine vielschichtige Auseinandersetzung mit der Thematik wünschen, vom theoretischen Diskurs über die Analyse des eigenen kommunalen
Umfeldes bis hin zum Transfer in die persönliche Praxis.

Daniel Lux

Ich würde mir wünschen, dass in Lehrveranstaltungen deutlich mehr auf den Klimawandel und seine Folgeneingegangen werden würde. Wie kann man in der Architektur die Folgen mindern, den CO2-Ausstoßverringern? Ein Thema, das sich durch alle Studienmodule ziehen könnte, wird bisher eher halbherzigbehandelt. Die Studierenden sollten es von Beginn an in ihre Entwürfe integrieren, um den Umgang mit dem Thema zu festigen.

Dazu zählen, meines Erachtens nach, vor allem:

  • Der Einfluss von der Materialwahl im Bau. Die meisten Entwürfe scheinen sich bei den Studenten auf bemerkenswerte Formen und Größen zu beziehen. Auffallen um jeden Preis. Dies ist meist nur mit eben den eh schon mangelnden Rohstoffen wie Stahl und Beton möglich. Sollte hier nicht ein Umdenken stattfinden?
  • Die ersten Erfahrungen mit Vorgaben und Richtlinien halten sich während des Studiums in Grenzen. Sich während des Studiums auszuprobieren, seine Gestaltung zu finden und so seine eigene Architektursprachezu entwickeln erachte ich als gut und richtig, jedoch finde ich die Möglichkeit wichtig, schon während desStudiums Berührungspunkte eines „realistischen“ Entwerfens zu haben. Die Wirtschaftlichkeit vonentworfenen Gebäuden ist so gut wie irrelevant während des Studium.
  • Die große Chance des Bauen im Bestands verstreicht nicht nur in der Realität, sondern auch im Studiumfast unausgeschöpft. Studierenden sollte die Möglichkeit gegeben werden sich mit diesem Themaauseinandersetzen zu können, um den Wert des Bestandes schätzen zu lernen und somit ihren Teil zum Klimaschutz beitragen zu können, während sie gleichzeitig noch städtebauliche Charakteristika schützen und erhalten können.

Hannah Rotzinger

GEWÜNSCHTE LEHRVERANSTALTUNGEN UND DISKUSSIONEN

1. Architektur und Politik als Pflichtfach im Bachelor und als Wahlfach im Master

Die Zusammenhänge von Politik und Architektur und der daraus resultierenden Bauweisen sollten schon im Studium klarwerden und diskutiert werden. Dabei ist es wichtig verschiedenen aktuelle politische Positionen zu beleuchten. Spannend für dieses Seminar wären Gastredner von Architects for Future, Bauwende, Parteien im Bundestag oder Landtag und bereits im Berufleben stehenden Architekten, die sich für das Thema Bauwende einsetzen.

2. Bauwende live vor Ort - dieses Seminar könnte als Exkursion oder SQ-Fach verwendet werden

Die Studierenden besuchen Bauwerke in Niedersachsen, welche z.B. wie das Recyclinghaus in Hannover oder alte Häuser die gerade restauriert oder umgebaut werden. Dort lernen sie nicht nur theoretisch sondern im echten Leben, wie Bauwende funktioniert und welche Strategien schon (erfolgreich) umgesetzt werden und können die Akteure vor Ort dazu befragen. Wichtig wäre dabei eine Vielfalt von Werken, wie Neubauten aus ökologischen und kreislaufwirtschaftlichen Baustoffen, Umbauten mit traditionellen Baustoffen wie z.B. Lehm und auch Urban Mining Projekte an Gebäuden, wo gar kein Umbau mehr möglich ist. Spannend wäre es als Vergleich auch Negativbeispiele zu zeigen, diese allerdings nur theoretisch. Ziel des Seminars wäre dann sich mit einem der Projekte theoretisch-künstlerisch auseinanderzusetzen und zu erörtern, inwieweit sich die Bauwende und die Politik in Zukunft noch weiter in diese Richtung entwickeln können.

3. Entwurf - „Architecture for future“ - als Masterentwurf oder Bachelorarbeit

Ziel des Entwurfes sollte es sein sich an den 7 Punkten der Petition der Architects for Future oder deren Statement zu orientieren und unter Berücksichtigung dieser Aspekte eine Lösung für die Wohnungsfrage in Braunschweig zu finden. Dieses könnte am Anfang durch eine theoretisch-städtebauliche Annäherung geschehen und sollte im Laufe des Semesters zu einem konkreten Grundstück, Gebäude, Umbaugelände, welches beplant wird, führen. Spannend wäre hierbei auch eine Kooperation mit der Braunschweiger Regierung, damit die Innovation von der Universität und den Studierenden auch im Bewusstsein der Regierenden und Bürger*innen ankommt. Eine Verknüpfung als Vertiefung mit einem der anderen Seminare wäre denkbar.

4. Zusätzliche offene Diskussionrunden mit Studierenden und Lehrenden

Die Architects for Future sind schon in vielen Ortsgruppen aktiv, aber noch nicht in Braunschweig. Es könnte im Rahmen der TU eine neue Ortsgruppe gegründet werden, die dann zusammen mit der Fachgruppe Architektur und den Lehrenden wöchtlich oder monatlich Vorträge und Diskussionsrunden organisiert. Dabei können kontroverse Fragen gestellt werden, konkrete Baubeispiele unter die Lupe genommen werden und der Diskurs zwischen Studierenden und Lehrenden verschiedener Professuren kann dadurch gestärkt werden. Im besten Fall entwickelt sich auch darauf ein 7 Punkte Programm dazu, was die Lehre an der TU-Braunschweig in der Architektur in Zukunft eigentlich sein möchte!

Michell Korell

Ich würde mir wünschen, dass in Lehrveranstaltungen deutlich mehr auf den Klimawandel und seine Folgen eingegangen werden würde. Wie kann man in der Architektur die Folgen mindern, den CO2-Ausstoß erringern? Ein Thema, das sich durch alle Studienmodule ziehen könnte, wird bisher eher halbherzig behandelt. Die Studierenden sollten es von Beginn an in ihre Entwürfe integrieren, um den Umgang mit dem

Thema zu festigen.

Dazu zählen, meines Erachtens nach, vor allem:

  • Der Einfluss von der Materialwahl im Bau. Die meisten Entwürfe scheinen sich bei den Studenten auf bemerkenswerte Formen und Größen zu beziehen. Auffallen um jeden Preis. Dies ist meist nur mit eben den eh schon mangelnden Rohstoffen wie Stahl und Beton möglich. Sollte hier nicht ein Umdenken stattfinden?
  • Die ersten Erfahrungen mit Vorgaben und Richtlinien halten sich während des Studiums in Grenzen. Sich während des Studiums auszuprobieren, seine Gestaltung zu finden und so seine eigene Architektursprache zu entwickeln erachte ich als gut und richtig, jedoch finde ich die Möglichkeit wichtig, schon während des Studiums Berührungspunkte eines „realistischen“ Entwerfens zu haben. Die Wirtschaftlichkeit von entworfenen Gebäuden ist so gut wie irrelevant während des Studium.
  • Die große Chance des Bauen im Bestands verstreicht nicht nur in der Realität, sondern auch im Studium fast unausgeschöpft. Studierenden sollte die Möglichkeit gegeben werden sich mit diesem Thema auseinandersetzen zu können, um den Wert des Bestandes schätzen zu lernen und somit ihren Teil zum Klimaschutz beitragen zu können, während sie gleichzeitig noch städtebauliche Charakteristika schützen und erhalten können.