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Studying

Von Geschichten und Erzählungen, Mythen und Beschreibungen VIII

Seminar
Winter '25/26 (Master M1/2, Bachelor A3)
Ayat Tarik

Stadt- und Architekturführer erzählen in der Regel Geschichten von Bauwerken, ihrer Bauweise und den Menschen, die Quartiere, Infrastrukturen oder Landschaften gestaltet haben, und ordnen diese dann Stilen und Epochen zu: Eine Brücke der Nachkriegsmoderne, eine gotische Kirche, ein klassizistisches Wohnhaus, ein postmodernes Geschäftshaus. Die Beschreibungen wollen nüchtern und rational sein, die Abbildungen sind technischer Natur, das Wesentliche wird hervorgehoben. Aber: Was ist das Wesentliche? Was macht die Essenz eines Ortes aus? Was sind die Qualitäten, die etwas zu dem machen, was es ist? Welche Dimensionen und Perspektiven—vom Menschlichen zum Nichtmenschlichen, vom Kleinen zum Großen—müssen erfasst werden, um zu einer Beschreibung zu gelangen?

Die Seminare des Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur und Stadt beschäftigen sich dieses Semester mit dem (kritischen) Schreiben von und über die Stadt. Der Fokus liegt auf Braunschweig. Wir wollen uns auf die Suche nach Orten und Objekten machen, die (Stadt-)Geschichte(n) erzählen. Dabei soll sowohl ein neuer Blick auf Dinge geworfen werden, deren Geschichten bekannt erscheinen—das Rathaus, der Flughafen, der Bahnhof, der Prinzenpark, der Altstadtmarkt—, als auch bislang eher Übersehenes—Bordsteinkanten, kiesige Vorgärten, Zebrastreifen, Wäscheständer, Spielplätze, Allmenden—in den Fokus gerückt werden.

Unser Ziel ist dabei zum einen das Infragestellen von Privilegien des Interpretierenden von Wissen (die Rolle der Verfasserin). Zum anderen wollen wir—in Anlehnung an Donna Haraway, Peter Marcuse und Audre Lorde—erforschen, wie wir durch das, was wir beschreiben (und wie wir es beschreiben), neue Arten des politischen und ethischen Handelns und Denkens fördern können.

Fokus

In Zeiten von Polykrisen wird die Notwendigkeit neuer Instrumente und ganzheitlicher Denkansätze in der Raumproduktion besonders deutlich. Trotz zunehmender Diskussionen über Teilhabe und Diversität bleibt bislang weitgehend unbeachtet, wie tiefgreifend Raumproduktion und -planung von einer homogenen, meist weißen und akademisch geprägten Planungsmehrheit beeinflusst wird. Inwiefern werden innerhalb dieser Prozesse koloniale Kontinuitäten, struktureller Rassismus und Klassismus reproduziert? An welcher Stelle der Planung werden intersektionale Perspektiven reflektiert und miteinbezogen? Wie könnte eine intersektionale Architektur aussehen und wie wird sie aktuell in Planungsprozessen adressiert? Welche Formen von Kritik und Handlung sind erforderlich, um neue Wege für ein inklusives Miteinander zu entwickeln?

Die Teilnehmenden lernen mithilfe intersektionaler und feministischer Theorien, den Status quo der Raumproduktion zu hinterfragen und zu dekonstruieren. Ziel ist es, durch ein kritisches Lesen von Orten bestehende Machtverhältnisse zu erkennen und sichtbar zu machen.

Termine

  • 22.10.2025, 14:00–16:00, technische und inhaltliche Einführung
  • 27.10.2025, 09:30–12:00
  • 03.11.2025, 09:30–12:00
  • 10.11.2025, 09:30–12:00
  • 17.11.2025, 09:30–12:00
  • 24.11.2025, 13:00–18:00, Zwischenpräsentation
  • 01.12.2025, 09:30–12:00
  • 08.12.2025, 09:30–12:00
  • 05.01.2026, 09:30–12:00
  • 12.01.2026, 13:00–18:00, Zwischenpräsentation
  • 19.01.2026, 09:30–12:00
  • 02.02.2026, 09:30–18:00, Abschlusspräsentation
  • 16.02.2026, Abgabe

Zwingende Voraussetzung

Teilnahmevoraussetzung für dieses Seminar ist das erfolgreiche Abschließen des Moduls Wissenschaftliches Arbeiten für Architekturstudierende 1 (WAfA 1).

Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens werden innerhalb der A3-Seminare vertieft.