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Studying

Von Geschichten und Erzählungen, Mythen und Beschreibungen X

Seminar
Sommer '26 (Master M1/2, Bachelor A3)
Burcu Daglayan

Stadt- und Architekturführer erzählen in der Regel Geschichten von Bauwerken, ihrer Bauweise und den Menschen, die Quartiere, Infrastrukturen oder Landschaften gestaltet haben, und ordnen diese dann Stilen und Epochen zu: Eine Brücke der Nachkriegsmoderne, eine gotische Kirche, ein klassizistisches Wohnhaus, ein postmodernes Geschäftshaus. Die Beschreibungen wollen nüchtern und rational sein, die Abbildungen sind technischer Natur, das Wesentliche wird hervorgehoben. Aber: Was ist das Wesentliche? Was macht die Essenz eines Ortes aus? Was sind die Qualitäten, die etwas zu dem machen, was es ist? Welche Dimensionen und Perspektiven—vom Menschlichen zum Nichtmenschlichen, vom Kleinen zum Großen—müssen erfasst werden, um zu einer Beschreibung zu gelangen?

Die Seminare des Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur und Stadt beschäftigen sich dieses Semester mit dem (kritischen) Schreiben von und über die Stadt. Der Fokus liegt diesmal auf Braunschweig. Wir wollen uns auf die Suche nach Orten und Objekten machen, die (Stadt-)Geschichte(n) erzählen. Dabei soll sowohl ein neuer Blick auf Dinge geworfen werden, deren Geschichten bekannt erscheinen—das Rathaus, der Flughafen, der Bahnhof, der Prinzenpark, der Altstadtmarkt—, als auch bislang eher Übersehenes—Bordsteinkanten, kiesige Vorgärten, Zebrastreifen, Wäscheständer, Spielplätze, Allmenden—in den Fokus gerückt werden.

Unser Ziel ist dabei zum einen das Infragestellen von Privilegien des Interpretierenden von Wissen (die Rolle der Verfasserin). Zum anderen wollen wir—in Anlehnung an Donna Haraway, Peter Marcuse und Audre Lorde— erforschen, wie wir durch das, was wir beschreiben (und wie wir es beschreiben), neue Arten des politischen und ethischen Handelns und Denkens fördern können.

In Zeiten multipler Krisen, polarisierender Debatten und einer zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung wird die Planung einer gerechten Stadt für Alle immer dringlicher. Doch wie sieht eine sozial gerechte und mitbestimmte Stadt für Alle aus? In diesem Seminar nähern wir uns dieser Frage aus der Perspektive feministischer Theorien sowie Prinzipien einer demokratischen Planungskultur und setzen uns konfrontativ mit den Anforderungen an den Stadtraum auseinander. Für wen werden Stadträume entworfen und wie werden sie verhandelt? Welche Möglichkeiten zur Mitbestimmung und Teilhabe gibt es? Wie verlaufen die dahinterliegenden, unsichtbaren Prozesse und welchen Einfluss haben Machtstrukturen und bestimmte Entscheidungsmechanismen auf sie? Mithilfe von Critical Friends analysieren wir unterschiedliche Formen sozialer Ungleichheit im Raum, setzen uns kritisch mit Möglichkeiten der Partizipation auseinander und untersuchen diese im Hinblick auf ihre Wirkweise sowie ihr Potenzial zur demokratischen Verhandlung von Räumen. Welche Konflikte werden dabei sichtbar, und wie können diese als Aushandlungsprozesse zu einer gerechten Planung von Räumen beitragen?

Ziel des Seminars ist die Auseinandersetzung mit sichtbaren wie auch unsichtbaren Gestaltungsprozessen und -elementen sowie die Untersuchung von Räumen im Hinblick auf ihre Zugänglichkeit, Möglichkeiten der Partizipation und der ihnen zugrunde liegenden Politiken und (Stadt-)Konflikte. Durch kritisches Hinterfragen und Analysieren werden alternative Narrative für eine inklusive, sozial gerechte und demokratische Raumproduktion erarbeitet.

Die Seminarteilnehmenden werden eigene Schwerpunkte und Themen entwickeln, um dann in kleinen Gruppen gewählte Beispiele—die wir als Möglichkeit betrachten, Phänomene an beispielhaften Orten und in beispielhaften Umgebungen sinnvoll zu erfassen—zu recherchieren und diese festzuhalten: zeichnerisch, diagrammatisch, diskursiv und kollaborativ, spaziergehend.

Termine

  • 08.04.2026, 16:00–18:00, technische und inhaltliche Einführung
  • 13.04.2026, 10:00–12:30
  • 20.04.2026, 10:00–12:30
  • 27.04.2026, 10:00–12:30
  • 04.05.2026, 10:00–12:30
  • 11.05.2026, 13:00–18:00, Zwischenpräsentation
  • 18.05.2026, 10:00–12:30
  • 01.06.2026, 10:00–12:30
  • 08.06.2026, 10:00–12:30
  • 15.06.2026, 13:00–18:00, Zwischenpräsentation
  • 22.06.2026, 10:00–12:30
  • 29.06.2026, 10:00–12:30
  • 13.07.2026, 09:30–18:00, Abschlusspräsentation
  • 27.07.2026, Abgabe