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Studying

Von Natur aufgelöste Grenzen

Seminar
Winter '25/26
Theresa Kerl, Lara Behnke und Silja Linke

Wir befinden uns in Braunschweig im Bültenweg 12. Wo heute der ca. 2021 fertiggestellte Wohnkomplex Platz für 12 Wohnungen bietet, waren 2018 lediglich Überreste des vorherigen Wohnbaus zu sehen. Zu den Grundbedürfnissen des Menschen gehören Nahrung und Existenzsicherungen wie Wärme oder Schutz. Infrastrukturen wie z.B. der Wohnkomplex im Bültenweg gewährleisten diese Sicherheiten. Infrastruktur definieren wir im Kontext des Anthropozäns als alle Projekte, die Land, Wasser und die Luft modifizieren. So weit wie möglich grenzen wir uns von der Natur und ihren Umwelteinflüssen ab. Diese beeinflussen unseren Alltag kaum noch, solange wir uns innerhalb unserer vertrauten vier Wänden aufhalten. Doch umgekehrt funktioniert dies nicht. Hat die Natur noch Platz im Anthropozän? Exemplarisch erzählt der Bültenweg 12 drei verschiedene Geschichten, anhand deren das Patchy Anthropocene konzeptuell darstellt wird. Das Patchy Anthropocene ist ein globales Phänomen, das jedoch nicht einheitlich, sondern flickenteppichartig, bzw. „patchy“ verteilt ist. Es beschreibt eine Ansammlung von Orten, an denen menschliche Infrastruktur und ökologische Prozesse auf unvorhersehbare Weise aufeinandertreffen. Dort wo wir versuchen klare Grenzen zwischen uns und der Natur zu ziehen, entstehen durch unkontrollierte Konsequenzen sogenannte feral Prozesse und neue Realitäten für die Natur, insbesondere für Tiere. „Feral“ beschreibt Wesen oder Stoffe, die durch menschliche Infrastrukturen ermöglicht wurden, sich jedoch außerhalb menschlicher Kontrolle weiterentwickeln und eigene, autonome Wirkungen entfalten. Feralität bezeichnet somit das Wirken nichtmenschliche Akteur*innen innerhalb menschlich geschaffener Bedingungen – weder ganz „wild“ noch „domestiziert“, sondern ein entgleitendes Mitwirken, das neue ökologische oder materielle Effekte hervorbringt. Warum es so relevant ist, diese oft unsichtbaren Begegnungen wahrzunehmen und welche diese überhaupt sind, erfahrt ihr auf unsere Website: https://gtas.nower.cloud/.

Vorteil eines unterschriebenen Mietvertrags ist der Zugang zum Privatparkplatz, der aufgeschüttet anstelle eines Gartens hinter dem Gebäude liegt. Die Zufahrt, rechts neben dem Haupteingang, ist mit einem Privatschild, sowie einem Hinweis auf Videoüberwachung gekennzeichnet. An diesem Ort kreuzen sich drei Geschichten des Anthropozäns.